mit Bettina Pfeifer

Über Kunst reden

Ateliergespräch mit Ingrid Strohkark und Bettina Pfeifer

Ingrid Strohkark und Bettina Pfeifer kennen sich seit langem und arbeiten gerne zusammen. Im September 2020 haben sie eine gemeinsame Ausstellung zum Thema „Schwarz und Weiß“ in der Kulturscheune Kilianstädten konzipiert.

 

Bettina Pfeifer arbeitet hauptsächlich mit den Materialien Papier und Stein. Neben ihrer Arbeit als Künstlerin ist sie regelmäßig in der Lehrerausbildung in verschiedenen afrikanischen Ländern tätig.  

Ich bin in einer Künstlerfamilie groß geworden. Zusammenfassend kann man sagen, Kunst und Chaos! Wohl auch deshalb habe ich mich erst mit Ende vierzig dazu entschieden, meinen eigenen künstlerischen Weg zu gehen. Allerdings habe ich schon vorher Kunstausstellungen organisiert und auch meine Arbeiten ausgestellt.

Kunst und Politik haben mehr gemeinsam, als es auf den ersten Blick erscheint, auch wenn beide Seiten Probleme mit ihrer Kommunikation haben. Durchsetzungsvermögen, Mut, der Wille zu gestalten, Kritik auszuhalten, Besserwisser zu tolerieren, über den Tellerrand zu schauen und Anregungen zuzulassen sind nur einige Gemeinsamkeiten. Selbstdarstellung ist bei beidem eher hinderlich, konkret zu werden, sollte zur persönlichen Grundausstattung gehören. Mut ist unerlässlich!! Kunst und Kultur sind die Basis unserer Gesellschaft. Kunst ist so auch immer politisch. Sie ist eine Form der Gesellschaft sich auszudrücken und hat dadurch immer eine gesellschaftspolitische Aussage. Ob sie uns gefällt oder nicht! Gefährlich wird es dann, wenn Parteien versuchen Kunst zu politisieren. Kunst ist immer auch ein Spiegel einer Gesellschaft!

Kunst ist ein Puzzleteil meines gesamten Lebens. Sie ist weder elitär noch ein Nischenprodukt, sie beeinflusst unbemerkt unser aller Leben. Kunst ist für mich nicht Alles, aber ohne Kunst wäre Alles für mich nichts!

Obwohl Afrika nie auf meiner Agenda stand, ist es zu meiner Leidenschaft geworden. Mein Mann ist Naturwissenschaftler und durch sein Engagement in Äthiopien und seine Erzählungen hat er mich begeistern können. Wir gehen ehrenamtlich für den SES, die Senior Expert Service nach Afrika. Ich schule Lehrer*innen in den Fächern Kunst und Ästhetik. Die Ausbildung für den Schuldienst in Äthopien ist weder einheitlich, noch ist sie mit unserer zu vergleichen. Der Frontalunterricht vergisst leider die absolut wichtigen praktischen Fähigkeiten. Kunst und Ästhetik lernt man aber nun mal nicht an der Tafel, sondern durch praktisches Arbeiten. Das versuche ich mit meinen Projekten auf Augenhöhe anzustoßen und zu vermitteln. Ich versuche Impulse für dort bezahlbare Kunstprojekte zu geben und Lust für einen lebendigen Unterricht zu wecken. Dadurch können die Lehrer wieder Schüler und Studenten begeistern und so trägt jeder die Botschaft weiter. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ich arbeite nach dem Motto: „Was nutzen mir mathematische Formeln, die ich von der Tafel auswendig lerne, wenn mir die Koordination zwischen Hirn und Hand fehlt, wenn eine Kugel für mich ein Kreis ist und ich nicht in der Lage bin, die Formeln in die Praxis umzusetzen. Auch Naturwissenschaften müssen praktisch umgesetzt werden können.“  Ich versuche viel zu lehren und zu lernen,  Kunst zu vermitteln und die Lust zu wecken die Welt mit anderen Augen zu betrachten.

Durch die weltweite gesellschaftspolitische Situation wird es mir künftig nicht an künstlerischen Themen fehlen. Ein Thema wäre z.B.  „Die Frau in Zeiten von Corona“.

 

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